Neues DFG Projekt: From Interactions to Identity
28. November 2025
Die DFG fördert unser neues Projekt: "From Interactions to Identity: Linking Communicative Experiences to Academic Career Intentions of Female Early Career Researchers" für drei Jahre. Das Projekt ist eine Kooperation von Nale Lehmann-Willenbrock, Clara Hemshorn de Sánchez und Fabiola Gerpott (WHU). Wir freuen uns!
Die Promotionsphase ist entscheidend dafür, ob und mit welchem Nachdruck Nachwuchswissenschaftler:innen eine Identität als Forscher:in entwickeln und sich eine Karriere in der Wissenschaft zutrauen. Weibliche Promovierende sehen sich dabei mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Als Erklärungsmechanismen für Geschlechterunterschiede in dieser entscheidenden frühen Karrierephase untersucht dieses Projekt Herausforderungen auf der Mikroebene von sozialen Interaktionen. Als theoretische Basis greifen wir soziologische Forschung auf, die Interaktionen als den Ort betrachtet, innerhalb dessen Geschlechterunterschiede entstehen und verstärkt werden. Wir beleuchten, inwiefern soziale Interaktionen in akademischen Kontexten von einer Promotion- bzw. Prevention-Orientierung geprägt sind und untersuchen, wie diese sich in geschlechtsspezifische Ungleichheiten auf der Verhaltensebene gegenüber Promovierenden auswirken. Eine Akkumulation von scheinbar kleinen Vorfällen, in denen sich Promovierende herausgefordert oder übersehen fühlen, kann die Wahrnehmung von akademischer Identität, des akademischen Systems und der persönlichen Passung für dieses System maßgeblich prägen. In der Summe können solche negativen Mikroerfahrungen – denen weibliche Promovierende potenziell häufiger ausgesetzt sind als männliche – dazu führen, dass sich weibliche Promovierende in der Wissenschaft häufiger entfremdet fühlen und den Ausstieg eher in Erwägung ziehen.
Aufbauend auf unserer vorherigen Kooperation führen wir drei Feldstudien durch mit dem Ziel, geschlechtsspezifische Verhaltensmechanismen im Rahmen von Gesprächsdynamiken im akademischen Kontext zu identifizieren (Studien 1-2), sowie eine Mikrointerventionsstrategie zur Verhaltensänderung zu testen, die das Ziel der Förderung einer akademischen Identität von Promovierenden und damit positivere Karriereeinschätzungen hat (Studie 3). Konkret befassen wir uns in Studie 1 mit den Gesprächsdynamiken von typischen Paneldiskussionen und Expert:innenrunden für Nachwuchsforschende auf Konferenzen und untersuchen, inwiefern diese Diskussionen von einem Promotion- bzw. Prevention-Fokus geprägt sind und in der Folge weibliche Nachwuchsforschende potenziell entmutigen können. Studie 2 analysiert die Gesprächsmuster innerhalb regulärer Einzel-Meetings zwischen Professor:innen und Promovierenden und überprüft, inwiefern diese Muster geschlechtsspezifische Formen annehmen und die akademische Identität und Karrierepläne von weiblichen und männlichen Promovierenden beeinflussen. Studie 3 setzt schließlich eine Mini-Intervention ein, um karrierebezogenes Initiativverhalten zu fördern, wodurch wir positive Auswirkungen auf die akademische Identität und Karriereintentionen von Promovierenden erwarten.
Diese Studien bringen notwendige empirische Nuancen in die Diskussion zu subtilen Diskriminierungserfahrungen und identifizieren spezifische, umsetzbare Verhaltenshebel für Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit in der Wissenschaft.
