Neue Studie von Katharina Hierl veröffentlicht!
20. August 2026, von Martin Eckert
Wir freuen uns, eine neue Studie von Katharina Hierl vorzustellen, die im Journal of Affective Disorders veröffentlicht wurde.
In der Studie wurden in einer großen längsschnittlichen Stichprobe von 232 Patient:innen mit Depression und 496 gesunden Kontrollpersonen über insgesamt 1.395 Beobachtungszeitpunkte negative Verzerrungen in der emotionalen Verarbeitung untersucht. Solche Verarbeitungsverzerrungen spielen eine zentrale Rolle in kognitiven Modellen der Depression und werden als wichtiger Mechanismus bei der Entstehung und Aufrechterhaltung depressiver Symptome diskutiert.
Die neue Publikation zeigt, dass negative Verzerrungen – hier erfasst als Tendenz, einem neutralen Gesichtsausdruck eine negativere Valenz zuzuschreiben – stärker mit der aktuellen depressiven Symptomlast als mit dem diagnostischen Status assoziiert waren. Patient:innen, die zum jeweiligen Untersuchungszeitpunkt weitgehend symptomfrei waren, unterschieden sich in ihrer Valenzeinschätzung nicht wesentlich von gesunden Kontrollpersonen.
Die Ergebnisse unterstreichen damit, dass Veränderungen in der emotionalen Verarbeitung bei Depression nicht zwangsläufig ein stabiles Merkmal der Erkrankung darstellen, sondern eng mit dem aktuellen Symptomzustand zusammenhängen können. Längsschnittliche Untersuchungen wie diese tragen dazu bei, kognitiv-emotionale Veränderungen im Verlauf depressiver Erkrankungen differenzierter zu verstehen. Ein genaueres Verständnis darüber, wann solche Verzerrungen besonders ausgeprägt sind, kann langfristig auch dabei helfen, Interventionen gezielter auf unterschiedliche Krankheitsphasen und individuelle Bedürfnisse von Patient:innen abzustimmen.
Link zur Studie: https://doi.org/10.1016/j.jad.2026.122362
Auch in unserer aktuellen Forschung untersuchen wir die Rolle der emotionalen Verarbeitung im Verlauf depressiver Erkrankungen weiter. Neben einer großen, an mehreren Standorten in Deutschland durchgeführten Kohortenstudie erforschen wir im Sonderforschungsbereich „Verlaufsformen Affektiver Störungen“, inwieweit sich emotionale Verarbeitungsprozesse und ihre neuronalen Korrelate gezielt beeinflussen lassen. Hierfür nehmen Patient:innen mit Depression an einem innovativen Training teil, das darauf abzielt, kognitiv-emotionale Fähigkeiten gezielt zu stärken. Damit möchten wir besser verstehen, ob und wie sich veränderte emotionale Verarbeitungsmuster modifizieren lassen und welche Bedeutung dies für den weiteren Krankheitsverlauf haben könnte.